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Martina Glagow wurde am 21.09.1979 – im Sternzeichen Jungfrau – in Garmisch-Partenkirchen geboren. Sie ist 1,58 m groß und ist mit ihren 48 kg ein echtes Leichtgewicht. Mit diesen Maßen wird sie ihrem Spitznamen ‚Molly’ eigentlich nicht gerecht, aber da bereits ihre Kollegen sie so genannt hatten und um die 3 Martinas im Biathlon (Zellner, Hubbauer, Glagow) besser unterscheiden zu können, bekam sie diesen Namen auch im Weltcup.
Sie ist sehr tierlieb und naturverbunden, liebt die Mittenwalder Berge, die sie als erstes vermisst wenn sie im Trainingslager oder auf Weltcups ist. In ihrer spärlichen Freizeit macht sie meistens das was zu erledigen ist, wenn sie längere Zeit nicht zu Hause war. Sonst findet man sie bei ihren Freunden und wenn schönes Wetter ist in der Mittenwalder Eisdiele. Ihre Schwester Anja wurde am 13.02.1982 in Neu-Ulm geborgen und ist Hotelfachfrau in einem Mittenwalder Hotel.

Durch den Beruf des Vaters bei der Bundeswehr musste sie frühzeitig aus Mittenwald fortziehen, hat kurzzeitig in Ulm und Murnau gewohnt und ist dann wieder nach Mittenwald zurückgekehrt, wo sie anschließend auch zur Schule ging. Als Martina in der 4. Klasse war, hat sie zum ersten Mal beim Schullanglaufrennen teilgenommen und gewann mit deutlichem Vorsprung vor der um bis zu drei Jahre älteren männlichen Konkurrenz. Damals entdeckte der Heimtrainer Jörg Brandt (Biathlontrainer in Mittenwald) das junge Talent und bot ihr an, einmal bei einem Biathlontraining vorbeizuschauen – der Beginn ihrer Biathlonkarriere. Das Training gefiel ihr so gut, dass sie beschloss den Sport auch weiterhin auszuüben.

1990 kam Martina auf das Gymnasium der St. Irmengard-Schule in Garmisch-Partenkirchen. Als sie 1996 in den C-Kader des Deutschen Skiverbandes aufgenommen wurde, musste sie sich zwischen der Schule/dem Abitur oder dem Sport entscheiden. Da es keine Sportschule war ließ sich nämlich nicht beides unter einen Nenner bringen. Martina hatte aber sowieso nicht vor zu studieren und entschied sich für den Sport. Daraufhin bewarb sie sich bei der Sportschule des Bundesgrenzschutzes in Bad Endorf, wo sie im August 1996 als Polizeimeisteranwärterin eingestellt wurde und bis 2000 ihre Ausbildung absolvierte. Im September 2000 schaffte Martina die Abschlussprüfung und wurde Polizeimeisterin beim BGS.

Bereits 1997 gewann sie als Jugendläuferin mehrere Juniorinnen-Europacuprennen und die Gesamtwertung des Europapokals der Juniorinnen. Im Jahr 2000 startete sie zunächst bei den Senioren im Eurocup und gewann vier der fünf Rennen. Aufgrund dieser herausragenden Erfolge wurde Martina noch im selben Jahr in die deutsche Weltcupmannschaft berufen und durfte zum ersten Mal vor großem Publikum in Oberhof starten, wo sie auf einen beachtlichen 6. Platz kam. Gerade mal 3 Woche später folgten dann schon der erste Weltcupsieg im italienischen Antholz und wenig später ein weiterer im schwedischen Östersund. Am Ende der Saison stand sie auf einem tollen 13. Weltcupplatz.

In der Saison 2000/2001 tat sich Martina recht schwer, so dass es viele Höhen und Tiefen gab. Ihren ersten großen Triumph feiert sie dennoch in dieser Saison, als sie bei den Weltmeisterschaften im slowenischen Pokljuka die Silbermedaille im Massenstart holte und somit Vizeweltmeisterin wurde. Großen Anteil daran hat auch Vater Martin Glagow, der bei allen Weltcups seiner Tochter dabei ist und ihr persönlich die Ski präpariert.

Genau wie im Vorjahr konnte Martina an diese Leistung in der darauf folgenden Saison nicht so richtig anknüpfen. Ihr großes Ziel war die Teilnahme an den Olympischen Spielen in den USA, für die sie sich schon nach dem ersten Weltcuprennen in der Saison 2001/2002 qualifizierte. Trotz eines 7. Platz als zweibeste Deutsche beim Einzellauf in Salt Lake City erhielt sie keinen weiteren Einsatz und kam anders als ihre Kolleginnen Andrea Henkel, Kati Wilhelm, Uschi Disl und Katrin Apel ohne Medaillen in die Heimat zurück. Am Ende reichte es zu einem 12. Platz im Gesamtweltcup.

Während andere fortan im Rampenlicht standen und den Fokus auf sich zogen, trainierte Martina sehr hart an sich selbst, verbesserte ihren Laufstil und meisterte noch souveräner das Schießen. Ihre Arbeit sollte Früchte tragen und so meldete sie sich im Sommer 2002 als zweifache deutsche Meisterin zurück. Nach dem Karriereende von „Biathlonlady“ Magdalena Forsberg aus Schweden wurden die Karten im Weltcup in der Saison 2002/2003 neu gemischt. Damals ahnte wohl noch keiner, dass ausgerechnet eine Deutsche den Gesamtweltcup gewinnen würde. Bei der Premiere des Challenger Cups in der Arena „AufSchalke“ lieferte sich Martina an der Seite von Michael Greis einen packenden Zweikampf mit Albina Akhatova und Victor Maigourov aus Russland und gewann vor begeistertem Publikum das Rennen. Doch sie überzeugte über die ganze Saison hinweg mit konstanter Leistung in Form von 18 Plazierungen unter den TopTen und einer Trefferquote beim Schießen von 89%.  Auch bei den Weltmeisterschaften im russischen Khanty-Mansiysk riss diese Leistung nicht ab. Im Verfolgungswettbewerb kam Martina in einem tollen Rennen mit spannendem Finish zeitgleich mit der Französin Sandrine Bailly über die Ziellinie. Zunächst wurde allein der Deutschen der Titel zugesprochen, nach dem Einwand von Martina und einer erneuten Überprüfung des Zielfotos wurde dann aber beiden Biathletinnen der Weltmeistertitel anerkannt – ein bis dahin einmaliger Fall im Biathlonsport. Doch damit hatte der Triumphzug der jungen Martina Glagow erst begonnen. Beim anschließenden Staffelrennen holte sie auf der letzten Runde unglaubliche 17 Sekunden zu den Weißrussinnen auf und führte das DSV-Team somit zur nicht mehr für möglich gehaltenen Bronzemedaille. Am Ende der Saison 2002/2003 machte sie schließlich den Erfolg perfekt und gewann als erste Deutsche überhaupt in ihrem 12. Biathlonjahr den Gesamtweltcup und war somit beste Biathletin der Welt - das Ergebnis von Fleiß, Talent, Zielstrebigkeit und einer Portion Glück.

Nach dieser tollen Saison waren die Erwartungshaltungen an Martina von außen hin natürlich groß. Immer wieder wurde sie in Interviews gefragt, ob sie denn den Gesamtweltcup verteidigen will und wieder ganz oben stehen möchte. Doch die bescheidene Mittenwalderin steckte sich ihre eigenen Ziele: Ein Platz unter den besten 10 Ahtletinnen im Gesamtweltcup und ein gutes Abschneiden bei der WM in Oberhof vor heimischem Publikum sollten es sein. Nach einem eher verhaltenen Saisonstart in Kontiolahti lief sie bereits in Hochfilzen in den vorderen Plätzen mit und wurde zweimal Zweite und einmal Vierte im Sprint. Beim den darauffolgenden Rennen in Osrblie gelang ihr dann der erste große Triumph als sie beim Einzelrennen auf den ersten Platz kam. Am selben Wochenende wurde sie zur Wahl zum Sportler des Jahres nach Baden-Baden eingeladen, bei der sie die Journalisten auf den 4. Platz wählten. Aufgrund einer leichten Erkältung zum Jahresende hin konnte sie am Challenge Cup in Gelsenkirchen nicht teilnehmen und somit die Glanzleistung des Vorjahres nicht wiederholen. Sie wurde aber würdig von Katja Beer vertreten, die zusammen mit Michael Greis den 2. Platz belegte. Im neuen Jahr zeigte sich dann bei den Weltcuprennen in Pokljuka, dass die Krankheit einiges an Kraft gekostet hatte. Martina war aber dennoch stets unter den besten 15 zu finden.
Der Fokus lag dieses Jahr natürlich besonders auf den heimischen Weltmeisterschaften im Bundesleistungszentrum Oberhof, für die sich Martina einiges vorgenommen hatte. Schon in den ersten Rennen zeigte sie sich in Höchstform und machte deutlich, dass die Vorbereitungen optimal verlaufen waren. Im Sprint sicherte sie sich die Bronzemedaille und in der anschließenden Verfolgung, in der sie den Titel vom Vorjahr zu verteidigen hatte, wurde sie Vizeweltmeisterin. Zwar klappte es im Einzelrennen nicht ganz mit einem Podestplatz, aber immerhin noch zu einem tollen 6. Platz. Auch in der Staffel lief Martina mit und glänzte erneut mit einer tadellosen Vorstellung am Schießstand, die das deutsche Team frühzeitig in Führung brachte. Leider konnten Katrin Apel und Kati Wilhelm diese Position nicht verteidigen, so dass sich die deutsche Staffel mit der Bronzemedaille begnügen musste. Im abschließenden Massenstart verliessen Martina dann aber leider doch die Kräfte und so kam sie lediglich als 26. im Ziel an. Am überragenden Gesamteindruck änderte dies am letztendlich wenig - Martina war die beste und erfolgreichste deutsche Biathletin in Oberhof.
Lake Placid und Fort Kent in den USA waren die nächsten Ziele der Biathleten. Aufgrund der Zeitumstellung hatte Martina sehr mit dem “Jet Lag” zu kämpfen und fand somit nie richtig ins Rennen. So musste sich sie zwischenzeitlich mal mit einem 28. Platz im Sprint begnügend. Auch im Massenstart in Fort Kent, bei dem sie trotz eines perfekten Schießergebnisses nur auf Platz 13 lief, wurde deutlich dass die kleine Mittenwalderin total ausgepowert war und das Ende der Saison herbeisehnte. Im letzten Verfolgungsrennen am Holmenkollen konnte sie aber noch einmal alle Kräfte mobilisieren, kam auf einen tollen 8. Platz und hatte sogar noch Chance auf den 5. Platz im Gesamtweltcup - durch starken Nebel im Massenstartrennen wurde ihr diese Möglichkeit jedoch verwehrt.
Martina hatte ihre persönlichen Ziele aber längst erfüllt. Mit einem respektablen 6. Platz im Gesamtweltcup als zweitbeste Deutsche und mit 3 WM Medaillen im Gepäck konnte sie sich erneut unter den weltbesten Läuferinnen behaupten. Darüber hinaus war sie in der Saison 2003/2004 mit einer Trefferquote von 89% am Schießstand (91% Liegend, 86% Stehend) die beste Schützin bei den Damen.

Im Sommer 2004 verbesserte Martina nach Angaben von ihrem Vater Martina ihre Leistung im Laufen, wo sie sich beträchtlich steigen konnte, wie man im Verlauf der Saison noch sehen sollte. Dabei wurde weniger am Laufstil, sondern viel mehr an Kraft und Ausdauer trainiert. Nach der internen Qualifikation im Oktober 2005 in Beitostoelen, die sehr zur Mißgunst der Athleten auch im Fernsehen übertragen wurde und die Martina natürlich mit Bravour meisterte beziehungsweise allgemein die Mannschaft letztendlich unverändert blieb, ging es einige Wochen später erneut an diesen Ort zurück. Nach einem etwas verhaltenen Start von Molly mit einem 22. Platz im Sprint, kämpfte sie sich gleich wieder in der anschließenden Verfolgung auf den 3. Platz nach vorne und rechtfertigte gleichzeitig mit einer guten Leistung ihre Aufstellung in der Staffel. Beim darauffolgenden ersten Einzelrennen am Holmenkollen fuhr Martina dann souverän dann den ersten Saisonsieg ein. Wie kräftezerrend dies jedoch war, konnte man am nächsten Tag mit dem 41. Platz im Sprint sehen, den sie jedoch mit dem 12. Platz in der Verfolgung wieder etwas wett machte. Der Weltcup Östersund war in dieser Saison nicht unbedingt das beste Pflaster für Martina. Nach zwei Plätzen jenseits der 20, meldete sie sich immerhin mit dem 12. Platz beim Massenstart zurück. Aufgrund der jüngsten Plazierungen liess sie Bundestrainer Uwe Müßiggang dann bei der Staffel in Oberhof. die prompt darauf gewann, auf der Bank. Trotz der Ruhepause blieb sie mit dem 7. Platz im Sprint und mit insgesamt 7 Fehlern in der Verfolgung, bei der ein 18. Platz am Ende rauskam, unter ihren Möglichkeiten. Trotzdem zeigte sich hier zum ersten Mal ihr neues läuferisches Potenzial, denn sie war nur wenige Sekunden langsamer als Uschi Disl und Liv Grete Poiree. Beim Weltcup in Ruhpolding vor heimischen Publikum kam Martina dann wieder in die Gänge. Sowohl im Sprint als auch in der Verfolgung blieb Martina auf den Plätzen 3 und 9 in den TopTen. Auch im darauffolgenden Weltcup in Antholz schnitt sie sehr gut ab. Mit dem 5. Platz im Einzel behielt sie die Führung in der Einzelwertung und lieferte auch den weiteren Plazierungen auf Position 5 und 6 eine klasse Leistung ab. Die nächste Station war San Sicario in Italien, wo in der folgenden Saison auch die olympischen Winterspiele stattfinden sollten. Leider war sowohl die Verpflegung als auch die Unterkunft mehr als mangelhaft, was sich auch auf die Ergebnisse in den Wettkämpfen auswirkte. Zur Vorbereitung zu den Weltmeisterschaften reiste die deutsche Mannschaft dann sogar vorzeitig ab und nahm seit langer Zeit einmal nicht an der Staffel teil. Das die anstrengenden Wettkämpfe in Turin Martina immer noch in den Knochen steckten, zeigte sich dann in Pokljuka, wo sie erst wieder im Massenstart in die TopTen kam.
Anfang März 2005 stand dann das Highlight der Saison ins Haus - die Weltmeisterschaften im österreichischen Hochfilzen. Leider fanden dies ohne Molly statt. In der Woche vor Beginn der Veranstaltungen musste sich sich mit Verdacht auf eine Lungenentzündung krank abmelden und komplett auf die Weltmeisterschaften verzichten. Für sie rückte Andrea Henkel in den WM-Kader auf, die beim dritten Weltcup überraschend den Titel im Einzelwettkampf gewann - ein Erfolg, der ohne den Verzicht von Martina nicht möglich gewesen wäre. Natürlich war Molly telefonisch unter den ersten Gratulanten für ihre Zimmerkameradin. Da das erste Aufbautraining nicht voll zufriedenstellend verlief, beendete Glagow daraufhin vorzeitig die Saison.
Dadurch verlor sie leider auch die Führung in der Einzelwertung und rutschte einige Plätze in der Gesamtwertung ab. Dennoch blieb es am Ende bei einem 11. Platz, der unter diesen Umständen, immer noch ein gutes Saisonergebnis darstellt. Auch am Schießstand blieb Martina insgesamt auf ihren hohen Leistungsnievau. Mit insgesamt 87 Prozent Trefferquote war sie gleichauf mit Youngstar Jenny Adler und gleichzeitig beste Deutsche (89 % liegend, 85 % stehend).

Auch im darauf folgenden Jahr konnten wir auf eine tolle Saison von Martina zurückblicken. In der Saison 2005/2006 stoßen wir dabei immer wieder auf die Zahl 3, denn Molly konnte 3 Weltcupsiege (2 x Massenstart, 1 x Sprint) feiern, gewann 3 Silbermedaillen bei den olympischen Winterspielen in Turin und wurde mit 694 Punkten Dritte und damit zweitbeste Deutsche im Gesamtweltcup
Die Basis für diese Erfolge bildete das gute Training im Sommer, dass sie unter anderem in Österreich absolvierte und dabei jede Menge Spaß hatte. Während Martina beim ersten Weltcup in Östersund noch verhalten begann, sollte die Saisonvorbereitung in Hochfilzen zum ersten Mal Früchte tragen. Molly konnte hier ihr gesteigertes Laufpensum in der Staffel zeigen, in der sie sich als Startläuferin gegen die Schwedin Anna Carin Olofsson, die im weiteren Saisonverlauf zusammen mit Kati Wilhelm und Uschi Disl die Laufzeiten bestimmten sollte, behaupten konnte.
Nach einer krankheitsbedingten Auszeit in Osrblie, meldete sich Martina in Oberhof vor heimischen Publikum eindrucksvoll zurück. Da einem fünften Platz im Sprint gewann sie durch ein taktisch kluges Rennen den Massenstartwettbewerb. Nur wenige Wochen später sollte ihr dies im italienischen Antholz erneut gelingen. Wieder blieb sie fehlerfrei und lief unter dem Applaus des Bundestrainers mit einem deutlichen Vorsprung als Erste über die Ziellinie. Dies brachte viel Selbstvertrauen und Motivation für die anstehenden Olympiade in Turin, zumal sie sich mit Andrea Henkel und Uschi Disl auf den weiteren Podestplätzen doppelt über den zweiten Saisonsieg freuen konnte.
Zum Saisonhöhepunkt in Turin hatten die deutsche Biathleten und Biathletinnen dann alles richtig gemacht und waren auf den Punkt genau in Höchstform. Die erste von insgesamt 11 Medaillen gewann Martina gleich im ersten Rennen. Im Einzelrennen handelte sie sich zwar zwei Strafminuten ein, machte jedoch eines der besten Rennen ihrer Karriere und mobilisierte in der Loipe alle zur Verfügung stehenden Kraftreserven. Mit der drittbesten Zeit im Feld bekam sie die Bronzemedaille überreicht, die durch den später aufgedeckten Dopingfall der Russin Olga Pyleva sogar noch versilbert wurde. Im Sprint hatte die gesamte deutsche Damenmannschaft reichlich Pech mit der gewählten Startgruppe und mitunter auch mit dem Material. Trotz guter Leistungen am Schießstand und der Strecke konnte keine Athletin einen Podestplatz erreichen. Molly ging im anschließenden Verfolgungsrennen nur als 17. mit über einer Minute Rückstand auf die Führende ins Rennen, machte jedoch wieder ein unglaubliches Rennen. Nach dem letzten Stehendschießen hatte sich Martina bereits auf den dritten Platz nach vorne gearbeitet und die Bronzemedaille schien bereits sicher zu sein. Dank ihres enormen Kampfgeistes gab sie angefeuert von den Betreuern auf der Strecke noch einmal richtig Gas und holte am letzten Anstieg noch die Russin Albina Akhatova ein. Im Ziel fiel sie völlig erschöpft Kati Wilhelm in die Arme, mit der sie einen deutschen Doppelsieg sowie die zweite Silbermedaille feiern konnte. Im Staffelrennen folgte Medaille Nummer 3, die sich das Team um Martina, Andrea, Katrin und Kati mit dem 2. Platz sicherte. Beim Massenstartrennen galt Martina aufgrund der vorherigen Ergebnisse als eine der Favoritinnen und schrammte nur knapp an einer Medaille vorbei. Auf der Schlussrunde musste sie Uschi Disl vorbeiziehen lassen, die in ihrem letzten olympischen Rennen noch einmal eine Einzelmedaille gewinnen wollte. In dieser Situation verhielt sich Martina außerordentlich fair und sportlich als sie Uschi sogar noch ein »Hol dir die Medaille« hinterher rief. Dies brachte der Mittenwalderin nicht nur bei den eigenen Fans viel Sympathie ein.
Nach Turin war dann etwas die Luft und vielleicht auch die Motivation raus, so dass die Weltcups in Pokljuka und Kontiolahti ohne nennenswerte Ergebnisse vorbeigingen. Beim Sprint am Holmenkollen lief Martina aber noch einmal unerwartet zu Höchstformen auf. Mit einem fehlerfreien Schießergebnis und einer guten Laufzeit sprintete sie zum dritten Mal ganz oben aufs Podest. Im Massenstartrennen kämpfte sie schließlich um die kleine Kristallkugel in der Disziplinenwertung mit, die sie am Ende auch gewann. Gleichzeitig sicherte Molly sich noch einmal viele Weltcup-Punkte und erreichte den hervorragenden dritten Platz im Gesamtweltcup. Mit einer Trefferquote von 88% (90% liegend, 86% stehend) war sie wieder einmal ganz vorne mit dabei und wurde im eigenen Lager nur von Katja Beer übertroffen (89%), die allerdings über 100 Schuss weniger abgab.

von Dominik Keppner, 05.01.2004 / aktualisiert am 11.05.2006